Gabriele Münter – Malen ohne Umschweife. In München, Humblebaek und Köln

Es gibt Künstler, die haben Doppelnamen: Bei den glücklicheren, wie Christo-und-Jeanne-Claude, Matschinsky-Denninghoff oder Bernd-und-Hilla-Becher, drückt sich eine gleichberechtigte Partnerschaft aus, andere sind nur im Bewusstsein wie siamesische Zwillinge namentlich aneinander gekettet: Brecht-Weill, Mahler-Werfel oder Kandinsky-Münter, haben aber sehr eigenständige Werke geschaffen.

Gabriele Münter wurde nun in München die seit 25 Jahren größte Einzelausstellung gewidmet, mit der sie aus dem Schatten ihres Lebensgefährten Wassily Kandinsky treten soll – in einer Radikalität, die durchaus Fragen aufwirft. Im Werbematerial zur Ausstellung fällt der Namen Kandinsky tatsächlich kein einziges Mal, aber noch bedenklicher ist, dass in der Ausstellung auch dort, wo es nicht nur sinnvoll, sondern nötig und erhellend wäre, kein Wort über ihn zu finden ist. Münters kurze abstrakte Phase um 1914 – ist sie darstellbar, ohne Kandinsky wenigstens einmal zu nennen? Das erscheint mir doch eine negative Manipulation aus dem Geist der Revanche zu sein.

Dabei ist diese Ausstellung durchaus sehenswert. Sehr spannend sind die Fotografien, die Münter zwischen 1898 und 1900 auf einer Amerika-Reise aufnahm, denn sie dokumentieren nicht nur die erhebliche finanzielle Unabhängigkeit, die diese Reise erst ermöglicht haben dürfte, sondern auch einen früh geprägten künstlerischen Blick auf Strukturen und besondere Momente. Bemerkenswert ist der Wille zu Komposition im neuen Medium und die Einbeziehung grafischer Elemente wie die Auslegerstangen auf einem Dampfer.

Als Fazit hätte ich mir in der Ausstellung vielleicht etwas mehr Konzentration gewünscht. Nicht alle Werke erfüllen höchste Qualitätsansprüche – das beträfe aber genauso große Schauen von männlichen Künstlerkollegen. Aber die nicht chronologische, sondern thematische Gliederung ermöglicht großartige Vergleiche, wie sich bestimmte Themen in Münters Werk entwickelt haben – oder eben nicht.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf www.kulturzuender.de am 18.4.2018.

Gabriele Münter – Malen ohne Umschweife 31.10.2017 – 8.4.2018 im Lenbachhaus, Luisenstr.33, 80333 München. Weitere Stationen: 3.5. – 19.8.2018 im Louisiana Museum of Modern Art in Humblebaek/Dänemark und 15.9.2017 – 13.1.2019 im Museum Ludwig, Köln.

Leider war aus urheberrechtlichen Gründen das Fotografieren in der Ausstellung nicht erlaubt, daher gibt es hier nur ein Selfie mit Gabi vor dem Lenbachhaus. Bild: Kulturvogel

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